Wir Unternehmer

Im Englischen nennt man den Beamten „civil servant“. Anders als im Deutschen empfängt er zumindest dem Namen nach kein Amt, sondern dient der Öffentlichkeit. Dennoch ist kaum ein Träger einer gesellschaftlichen Funktion so unbeliebt wie er. Derweil hofieren wir einen anderen in bisher kaum gekanntem Maße: den Unternehmer.

Elon Musk, der 44jährige, der Raketen in den Weltraum schießt und die globale Automobilwirtschaft im Alleingang elektrisiert, habe kürzlich festgestellt, dass seine Kinder in öffentlichen Schulen nicht das lernten, was er für nützlich hielt – und gründete eine eigene Schule.

Dass wir heute nur noch der Privatwirtschaft zugestehen, gesellschaftliche Werte zu schaffen, ist kaum neu. Neu ist, dass wir trotz unserer Kritik an ihren Institutionen die gesellschaftliche Autorität ihr typisches Denken nicht nur hinnehmen, sondern häufig bewundern. Wir schelten TTIP – und verehren den „Entrepreneur“, der im allgemeinen Stillstand noch etwas bewegt. Unternehmerisch zu denken, ist heute Tugend.

Dabei bemerken wir nicht, worauf Rudolf Steiner früh hinwies: dass der Kapitalismus im Kopf beginnt, nicht in der Institution. Wohl schafft er Freiheit, doch es ist eine trügerische, denn sie entsteht aus seiner Fixierung auf das Nutzbringende. Die Rechnung für sein unternehmerisches Handeln zahlt derweil, was sich der Nützlichkeit widersetzt: Natur, Beziehungen, Menschen. Daran vermag auch der Sozialunternehmer nichts grundlegend zu ändern.

Wo wir mit „Dreigliederung“ vorwiegend gesellschaftliche Institutionen meinen, übersehen wir die Macht der Denkformen – in den Köpfen anderer, wie unseren eigenen. Sie in ihrer gesellschaftlichen Wirksamkeit besser zu verstehen, könnte eine wichtige anthroposophische Aufgabe in der Gesellschaft sein.


Diese Kolumne über Gesellschaft erscheint monatlich als Teil des Newsletters der Sektion für Sozialwissenschaften, den ich als Redakteur verantworte. Der Newsletter zu den gesellschaftskritischen Ideen Rudolf Steiners kann hier gelesen und abonniert werden.

Schreibe einen Kommentar